Nimm Dir ein Lächeln!

Das ließen sich die Mitarbeiterinnen des Ökumenischen Hospizdienstes Köln-Dellbrück/Holweide nicht zweimal sagen. Zwar waren wir alle am 15. August gut gelaunt zum Seminar nach Überdorf angekommen, aber Freude kann man ja nie genug haben. Deshalb war das von unserer Koordinatorin Ulrike Lenhart vorbereitete Plakat mit den Smileys zum Mitnehmen schnell „geplündert“.

 

In der Hospizarbeit ist es sehr wichtig, sich immer wieder auf seine Kraftquellen zu besinnen. Deshalb stand die Fortbildung unter dem Motto „Lebensfreude“. Und es begann gleich mit einer freudigen Überraschung: Wir durften unsere Namensschilder ganz nach Belieben mit bunten Stickern verschönern: Blümchen, Katzen, Hunde, Eichhörnchen, Herzen… und wir fühlten uns in die Glanzbildzeit unserer Kindheit versetzt. Dann verschenkte Ulrike Lenhart bunte Büroklammern in Herzform und zauberte wieder ein Lächeln auf unser Gesicht. Was lernen wir daraus? Auch kleine Dinge machen glücklich. Zum Ausprobieren erhielten wir zwei schöne Karten mit der Aufgabe, uns selbst, aber auch einer anderen Person damit eine Freude zu bereiten.

 

Dirigiert von unserer Mitstreiterin Gisela Adolphi probten wir den Kanon „Froh zu sein bedarf es wenig“ und beschäftigten uns anschließend unter ihrer Anleitung mit dem, was für uns persönlich „Lebensfreude“ bereitet. Anscheinend sind wir auch eine Gemeinschaft von Naturliebhabern, denn auf einigen Listen stand Vogelgezwitscher.

 

„Glück ist ein wählbares Gut“ – kann das stimmen? Natürlich können wir nicht nur Freude empfinden, denn wir leben in Polaritäten: es gibt zum Beispiel Leben und Tod, Sonne und Mond oder Ebbe und Flut. In der tiefsten Trauer gibt es einen Lichtblick und in der größten Freude einen Wermutstropfen. Glück oder Lebensfreude sind insofern wählbar, als ich die Wahl habe, jeweils das Schöne und Gute zu sehen. Und dazu hatten wir dann wieder reichlich Gelegenheit, denn anschließend machten wir uns Gedanken, wie ein perfekter Tag aussehen würde. Begeistert gingen wir auf den Vorschlag ein, unseren Erfahrungsaustausch mit einem Spaziergang durch die schöne bergische Landschaft zu verbinden.

Am nächsten Morgen übernahm Heidi Cordier aus unserer Runde die Aufgabe, uns in die Symbolarbeit einzuführen. Wenn man Menschen begegnet, die an einer Schwelle stehen, fehlen oft die Worte. Manchmal kann man aber über einen für sie bedeutenden Gegenstand, also ein Symbol, ins Gespräch kommen. Deshalb wollten wir ausprobieren, wie das gehen kann.

 

Es begann mit Staunen und Begeisterung: Heidi hatte eine Schatzkiste mitgebracht und einen Teil des Inhalts schön drum herum drapiert. Es gab alles, was das (Kinder-)Herz begehrt: Püppchen, Figuren, Plüschtierchen, Feder, Kreuz, Fahrrad-Modell und und und.

 

Jede von uns nahm sich das, was ihr spontan gefiel, und anschließend erzählten wir uns gegenseitig, was uns mit unseren „Fundstücken“ verbindet. Sehr oft hatten die Gegenstände etwas mit der Lebensfreude zu tun, die am Vortag schon beschreiben worden war. Die Muschel oder der Seestern erinnerten an glückliche Tage am Meer, der Korken an fröhliche Abende mit Freunden oder das Ausstechförmchen an die Weihnachtsbäckerei der Kindheit. Ein kleiner Fußball hatte den Weg zur stolzen Großmutter gefunden. Sie ist nicht wirklich Fußballfan, und wenn es heißt „Oma, Fußballspielen“ versucht sie es zunächst mit „…oder mit Opa“, denn Opa hat sogar Sport studiert und wäre auf der Stelle einsatzbereit. Aber der Enkel bleibt hartnäckig „Oma, Fußballspielen“. Wer könnte da schon nein sagen.

 

Durch solch eine Symbolarbeit werden also Erinnerungen geweckt und Gefühle bewusst gemacht, die dann auch ausgedrückt werden können. Symbole helfen besonders in der Trauerarbeit, Worte für das zu finden, was einen gerade innerlich bewegt.

 

Nach dieser intensiven Arbeit waren wir froh, uns wieder einem besonderen Quell an Lebensfreude zuwenden zu können, nämlich einer der leckeren Mahlzeiten, die für uns mit Liebe im Haus Wiesengrund zubereitet wurden. Auch in diesem Jahr haben wir die freundliche Atmosphäre wieder sehr genossen. Wie schön, dass wir schon den Fortbildungstermin für nächstes Jahr gebucht haben.

Marita Meye